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	<title>meditec International - Das Fachmagazin für die Medizintechnik &#187; Konstruktion</title>
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	<description>Technik und Branchenmagazin für die Entscheider und Führungskräfte der Medizintechnik-Industrie</description>
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		<title>Gerechnet und genagelt</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 12:52:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konstruktion]]></category>

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		<description><![CDATA[<img  src="http://meditec.mi-verlag.de/wp-content/uploads/2009/10/simulation-cadfem-kiefer-150x140.jpg" alt="Illustration" style="float: left;" />In der Luft- und Raumfahrt oder der Automobilindustrie geh&#246;ren Finite-Elemente-Simulationen schon lange zum Alltag. Aber auch in der Medizintechnik erkennt man ihr Potenzial zunehmend, wie sich bei Implantaten und Prothetik zeigt.
Zulassungsverfahren geh&#246;ren zur Implantatentwicklung wie der Deckel zum Topf. Bevor es soweit ist, muss der Hersteller des Implantats unter anderem nachweisen, dass sein k&#252;nftiges Produkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Luft- und Raumfahrt oder der Automobilindustrie geh&ouml;ren Finite-Elemente-Simulationen schon lange zum Alltag. Aber auch in der Medizintechnik erkennt man ihr Potenzial zunehmend, wie sich bei Implantaten und Prothetik zeigt.<span id="more-1702"></span></p>
<div id="attachment_1703" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-1703" title="simulation-cadfem-kiefer" src="http://meditec.mi-verlag.de/wp-content/uploads/2009/10/simulation-cadfem-kiefer.jpg" alt="Die FEM-Berechnung eines Kieferimplantats kann bei einer patienten-individuellen Anpassung helfen. " width="200" height="140" /><p class="wp-caption-text">Die FEM-Berechnung eines Kieferimplantats kann bei einer patienten-individuellen Anpassung helfen. </p></div>
<p>Zulassungsverfahren geh&ouml;ren zur Implantatentwicklung wie der Deckel zum Topf. Bevor es soweit ist, muss der Hersteller des Implantats unter anderem nachweisen, dass sein k&uuml;nftiges Produkt die Materialtests besteht, sprich statische und dynamische Verformungen ohne Beeintr&auml;chtigung &uuml;berstehen kann. „Ein solcher Test dauert im Schnitt sechs Wochen, weil ein Implantat dabei &uuml;ber mehrere Millionen Zyklen seine Eignung beweisen muss“, sagt Jens Richter, Group Manager Innovation im Bereich Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bei Synthes, einem weltweit t&auml;tigen Hersteller von Implantaten. F&uuml;r die Entwicklung einer neuen L&ouml;sung f&uuml;r eine neue Indikation hat sich an diesem Prozedere nichts ge&auml;ndert, „aber wenn es zum Beispiel um die Verbesserung eines bereits bestehenden Implantats geht, reicht heute hierf&uuml;r die Finite-Elemente-Methode“ (FEM).</p>
<p><strong>K&uuml;rzere Entwicklungszeiten</strong></p>
<p>Synthes setzt sie seit mehr als f&uuml;nf Jahren in der Entwicklung von Implantaten ein. Das numerische Verfahren, das bereits in den 1950er Jahren f&uuml;r die Berechnung von Strukturen von Flugzeugfl&uuml;geln Verwendung fand, hilft dabei, die statischen und dynamischen Eigenschaften von komplexen Systemen zu berechnen, zumindest in sehr guter N&auml;herung. Bei Synthes besteht dieses System aus dem Implantat, dem Knochen, den es stabilisieren soll, und den Verankerungen, mit denen es im Knochen fixiert wird. „Einfachere Berechnungen f&uuml;hren unsere Spezialisten selbst durch“, sagt Richter, „komplexe Simulationen vergeben wir an einen Dienstleister.“ Komplex wird es immer dann, wenn es darum geht, die Schnittstelle zwischen Knochen und Implantat und die dort auftretenden Reibungskr&auml;fte zu berechnen. „Die Biomechanik ist einfach sehr komplex“, sagt Richter. „Aber die nat&uuml;rliche Funktionsweise eines Knochens m&ouml;glichst genau simulieren zu k&ouml;nnen, birgt ein gro&szlig;es Potenzial f&uuml;r unsere k&uuml;nftigen Entwicklungen.“</p>
<div id="attachment_1704" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-1704" title="aesculap_bandscheibe2" src="http://meditec.mi-verlag.de/wp-content/uploads/2009/10/aesculap_bandscheibe2.jpg" alt="FEM-Methoden helfen, die Entwicklungszeiten auch bei Bandscheibenimplantaten zu verk&uuml;rzen. Bild: BVMed/Aesculap" width="200" height="139" /><p class="wp-caption-text">FEM-Methoden helfen, die Entwicklungszeiten auch bei Bandscheibenimplantaten zu verk&uuml;rzen. Bild: BVMed/Aesculap</p></div>
<p>Dieses Potenzial hat vor rund zwei Jahren auch CADFEM erkannt. Seitdem baut das Unternehmen mit Sitz in Grafing bei M&uuml;nchen, das im deutschsprachigen Raum zu den ersten Adressen in Sachen FEM geh&ouml;rt, seinen Gesch&auml;ftsbereich Medical auf. Ziel ist, die aus dem klassischen Ingenieurwesen abgeleiteten Methoden der rechnerischen Simulation in die Medizintechnik und Medizin zu &uuml;bertragen. „Aus dem Automobilbau oder der Luft- und Raumfahrt ist die FEM bei der Entwicklung neuer Produkte nicht mehr wegzudenken“, sagt Christoph M&uuml;ller, der bei CADFEM den Bereich Biomechanik leitet. „Fr&uuml;her war das Verfahren spezialisierten Ingenieuren vorbehalten, aber heutige Software macht Simulationen auch f&uuml;r Nichtspezialisten m&ouml;glich.“ Die Prinzipien der rechnerischen Simulation seien dabei zum Beispiel aus dem Automobilbau &uuml;bertragbar. Mit deren Hilfe lassen sich s&auml;mtliche f&uuml;r die Zulassung erforderlichen und in DIN-Normen festgelegten Tests am Computerbildschirm virtuell durchf&uuml;hren bevor ein Prototyp gebaut wird.</p>
<p>M&uuml;ller glaubt, dass das Potenzial der FEM in der Medizintechnik noch bei Weitem nicht ausgesch&ouml;pft ist, was vor allem daran liegt, dass „gerade in kleineren Unternehmen noch die Meinung vorherrscht, die Einf&uuml;hrung der FEM erfordere Know-how und hohe Investitionen“. Aus M&uuml;llers Sicht ist das eine unbegr&uuml;ndete Sorge: „Der Schulungsaufwand betr&auml;gt etwa drei Tage und die Anfangsinvestitionen liegen in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 10 000 Euro.“</p>
<div id="attachment_1705" class="wp-caption aligncenter" style="width: 480px"><img class="size-full wp-image-1705" title="anlauf-cadfem-spannungen" src="http://meditec.mi-verlag.de/wp-content/uploads/2009/10/anlauf-cadfem-spannungen.jpg" alt="FEM-Modell der Tr&uuml;mmerfraktur eines Schienbeinknochens mit Implantat und Verankerungen." width="470" height="279" /><p class="wp-caption-text">FEM-Modell der Tr&uuml;mmerfraktur eines Schienbeinknochens mit Implantat und Verankerungen.</p></div>
<p>Das langfristige Ziel von CADFEM ist allerdings, die FEM nicht nur in der Implantatentwicklung, sondern sozusagen direkt am Patienten einzusetzen. Etwa, um dem Arzt Anhaltspunkte zu geben, welches Implantatsystem und welche Platzierung sich hinsichtlich der mechanischen Belastung am besten eignen. Daf&uuml;r ist allerdings noch viel Forschung erforderlich. „Zum einen bedarf es guter mathematischer Modelle, die das Knochenmaterial ausreichend genau beschreiben k&ouml;nnen“, erkl&auml;rt M&uuml;ller, „zum anderen passende Randbedingungen, die &auml;u&szlig;ere Belastungen, zum Beispiel beim Gehen oder Kauen, gut beschreiben.“ Ohne diese Informationen ist eine Simulation f&uuml;r die Praxis wertlos.</p>
<p>CADFEM arbeitet daher mit medizinischen Forschungseinrichtungen zusammen, um die Entwicklung entsprechender Modelle auf den Weg zu bringen. Softwareseitig spielen dabei ANSYS und AnyBody eine zentrale Rolle: Mit ANSYS lassen sich komplexe FEM-Modelle abbilden und entsprechende Materialmodelle, wie sie etwa f&uuml;r Knochen ben&ouml;tigt werden, programmieren. Mit AnyBody lassen sich Muskel- und Gelenkkr&auml;fte des menschlichen Bewegungsapparates bei beliebigen Bewegungen bestimmen. Die daraus ermittelten Kr&auml;fte liefern dann die Randbedingungen f&uuml;r die Simulation des Systems aus Implantat, Verankerung und Knochen.</p>
<p><a href="http://meditec.mi-verlag.de/wp-content/uploads/2009/10/zwischenablage013.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1706" title="zwischenablage013" src="http://meditec.mi-verlag.de/wp-content/uploads/2009/10/zwischenablage013.jpg" alt="" width="470" height="392" /></a></p>
<p>Gel&auml;nge es, solche Simulationen in der klinischen Praxis zu validieren, dann w&auml;re es in M&uuml;llers Augen m&ouml;glich, verschiedene Szenarien schon vor dem Eingriff im Hinblick auf ihre mechanische Stabilit&auml;t zu untersuchen.</p>
<p>Prof. Dr. Ulrich St&ouml;ckle, Leiter der Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar in M&uuml;nchen, stimmt zu: „Die gro&szlig;e Bedeutung von Simulationen in der Chirurgie sehe ich in der patienten-individuellen Planung von Operationen“, sagt er. Mit der Hilfe von CT-Daten k&ouml;nne man dann durchspielen, wo und wie sich ein Implantat am besten mit einem wom&ouml;glich osteoporotischen Knochen verbinden lasse. „Hierf&uuml;r bedarf es jedoch noch weiterer Forschungsarbeiten“, so St&ouml;ckle, „bei denen Wissenschaftler und Implantathersteller miteinander kooperieren m&uuml;ssen.“</p>
<p>Michael Vogel</p>
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