Tumor-Flagge
Bei einer Darmspiegelung wird mit einem Endoskop nach Polypen gesucht, gutartigen Geschwülsten, aus denen sich unter Umständen einmal Dickdarmkrebs entwickeln kann. Gut sichtbare Polypen lassen sich zwar problemlos entfernen, doch die Frühstadien werden mit dem bisherigen Standardverfahren allzuleicht übersehen.
Unter der Leitung von Dr. Norbert Hansen vom Medizintechnik-Hersteller Karl Storz arbeitet jetzt die Forschungsinitiative Colonview an einer besseren Lösung. Ziel des Projekts ist die Kombination einer Fluoreszenz-Sonde und eines endoskopischen Inspektionssystems, mit dem auch kleine Tumorkeime sichtbar zu machen sind. Auf dem Wege über die Blutbahn in den Patienten gebracht, lagert sich die Sonde an Tumorgewebe an. Wird dann bei der Darmspiegelung Fluoreszenzlicht eingesetzt, lässt dieses den Tumor „wie eine rote Flagge” leuchten.
Das Verfahren soll auch für die Therapie weiter fortgeschrittener Tumore Anwendung finden können. Bei minimalinvasiven Eingriffen, bei denen ein Darmtumor schonend über kleine Öffnungen in der Bauchdecke entfernt wird, gibt die Farbstoff-Technik den Operateuren die entscheidende Orientierungshilfe. Mithilfe von Nanopartikeln, die das Tumorgewebe dauerhaft einfärben, vermag der Chirurg den Umfang des zu entfernenden Gewebes ohne weitere technische Hilfsmittel sicher einzugrenzen.
Das Verbundprojekt Colonview für verbesserte Früherkennung und intraoperative Lokalisation des Colonkarzinoms ist Bestandteil der Technologie-Initiative Molekulare Bildgebung (MoBiTech). Im universitären Bereich daran beteiligt sind die Unikliniken Jena, Freiburg und die TU München sowie die Fachhochschule Münster. Industriepartner sind die Firmen Karl Storz, PARItec, Dyomics und Signalomics.
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