Exklusiv-Interview mit Peter Biedermann
„Technologietrends erkennen und integrieren”
Der Managing Director des Schweizer Medical Cluster, Peter Biedermann, geht davon aus, dass die weltweite Bedeutung des Standorts Bern weiter zunimmt. Dank einer großzügigen Förderpolitik befinde sich die Region auf dem Weg zu einer Top-Adresse für die Medizintechnik.
Welche besonderen Stärken der Medizintechnik sehen Sie in der Region Bern?
Im Großraum Bern kommen alle Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Medizintechnikindustrie zusammen: Universitäre Grundlagenforschung, angewandte Forschung, Zulieferunternehmen mit spezifischen Fähigkeiten, spezialisierte Dienstleistungserbringer – und als Kern und Motor des Systems – exportorientierte Hersteller. Die Region hat eine lange Tradition in der Mikrotechnik, Robotik und Automation.
Der Schweizer Medizinalmarkt ist exportorientiert. Bedeutet das nicht auch globalen Wettbewerb mit seinen Abhängigkeiten?
Die Schweizer Industrie verfügt im Gegensatz zu größeren Ländern über einen kleinen Heimmarkt, daher der hohe Exportanteil mancher Unternehmen mit mehr als 95 Prozent. Im Durchschnitt sind es 75 Prozent der fertigen Produkte. In der Tat spüren die Schweizer Produkthersteller, dass sie zunehmend das Know-how der lokalen, hochspezialisierten Zulieferer mit ausländischen Auftraggebern teilen müssen, die ihre Vorprodukte in der Schweiz beziehen.
Zur Ansiedlungsstrategie im Großraum Bern: Wie hoch sind die Barrieren für ausländische Unternehmen?
Die Schweiz bietet gute Rahmenbedingungen wie langfristig stabile Entscheidungsgrundlagen, liberale Gesetzgebung, Schutz des freien Wettbewerbs und kooperative Behörden. Die Handels- und Gewerbefreiheit gestattet auch Ausländern, in der Schweiz ein Unternehmen zu gründen oder eine Beteiligung an einem Unternehmen zu besitzen. Die Wirtschaftsförderung Kanton Bern unterstützt und begleitet Unternehmen kostenlos bei ihrer Standortsuche und Ansiedlung im Kanton Bern.
Das Ziel des Medical Cluster ist die Weiterentwicklung des schweizerischen Medtech-Standortes. Welche Rolle übernimmt die Berner Region?
Der Kanton Bern ist in den Zielmärkten Deutschland, Frankreich, Italien, China, Indien und den USA tätig. Unsere Repräsentanten suchen nachhaltige Ansieldungsprojekte in diesen Ländern. Die sehr interdisziplinäre Medizintechnik muss in Zukunft noch mehr dafür aufwenden, neue Trends zu erkennen, zu bewerten und, wenn passend für das Unternehmen, in neue, zukunftsträchtige Produkt- und Verfahrensinnovationen umsetzen. Es ist eines der Ziele des Medical Clusters, die Medizintechnikindustrie dabei zu unterstützen. Wenn wir es schaffen, zusammen mit den bestgeeigneten Partnern, die optimalen Plattformen bereitzustellen, werden wir unseren Anteil zum weiteren Erfolg der Industrie leisten. Die Chancen, dass die weltweite Bedeutung unseres Standorts weiter zunimmt, sind sehr gut.
Bei welchen Schlüsseltechnologien sehen Sie für die Schweiz das größte Zukunftspotenzial?
Ich denke, bei Anwendungen, wo miniaturisiert wird und mechatronische und intelligente Systeme zur Anwendung kommen, hat die Schweiz gute Perspektiven. Die zuverlässige und Qualitativ hochwertige Fertigung zu vernünftigen Preisen wird auch in Zukunft gefragt sein. Diese Fähigkeit muss unbedingt bewahrt werden. -Das Gespräch führte Andreas Beuthner-
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