Exklusiv-Interview mit Thomas Simmons
Sensorik-Umsatz trotzt Rezession
Eines steht fest: Intelligente Sensortechnik gehört zu den Spitzenkandidaten unter den Mikrosystemen, welche die Medizintechnik auch in Zukunft voranbringen. meditec-Mitarbeiter Andreas Beuthner sprach mit Dr. C. Thomas Simmons, neuer Geschäftsführer AMA, Fachverband für Sensorik, über die Perspektiven und das Innovationspotenzial heutiger Mikrosysteme in der Medizin.
Welche Bedeutung hat die Medizintechnik für die Hersteller von Sensoren?
Die Sensorik-Branche erzielt durch Anwendungen in der Medizintechnik vergleichbare Umsätze wie durch Consumer-Produkte oder Sicherheitsanwendungen. Dieser Markt wächst für die Branche und wird noch lange nicht gesättigt sein. Innovativen Unternehmen bietet er vielfältige Wachstumschancen aus dem zunehmenden Einsatz von Sensortechnik in immer mehr medizintechnischen Produkten. Der gegenwärtigen Rezession zum Trotz schrumpft der Umsatz mit Sensorik auf diesem Gebiet nicht.
In welchen medizintechnischen Anwendungsfeldern liegen heute noch Wachstumschancen?
Allein die demographische Entwicklung führt zu einem steigenden Bedarf an Produkten für Prävention, Behandlung und Pflege. Gespeist von Innovationen, bestehen darüber hinaus aber auch weitere lohnende gute Wachstumschancen für den Einsatz von Sensortechnologie in einer ganzen Reihe von spezifischen Anwendungsfeldern. Ich nenne nur den medizinischen Apparatebau oder die bildgebenden Systeme, die Medikamentenzuführung, die Entwicklung neuer Implantate oder den spannenden Bereich Homecare.

„Der Technologie- und Know-how-Transfer zwischen Forschungsinstituten und Unternehmen ist verbesserungsfähig. Da muss etwas getan werden.“ Thomas Simmons, Geschäftsführer AMA Fachverband für Sensorik
Wo sehen Sie die wichtigsten Entwicklungstrends für medizinische Sensorik?
Die technischen Anforderungen sind sehr hoch und überspannen das gesamte Feld der Sensor- und Messtechnik, angefangen bei den Messprinzipien, über Miniaturisierung, Medienkompatibilität, Genauigkeit und Zuverlässigkeit, bis hin zur Aktorik und extrakorporalen Signalverarbeitung. Der menschliche Körper ist ein sehr anspruchsvolles Umfeld, und verlangt hohe messtechnische und signalverarbeitungsmäßige Leistung sowie stark miniaturisierte und dabei widerstandsfähige Bauformen und Packaging, sowohl der Elektronik als auch des Sensorelements. In der medizinischen Sensorik beobachten wir den zunehmenden Einsatz fortschrittlicher Materialien, immer weitere Miniaturisierung, intelligentere Lösungen wie Sensoren mit eigendiagnostischen Fähigkeiten und so etwas wie Selbstkalibration sowie aktorischen-Fähigkeiten für die minimalinvasiven Techniken.
Gibt es aus Ihrer Sicht auch Defizite?
Ja, der Technologie- und Know-How-Transfer zwischen Instituten und Unternehmen ist verbesserungsfähig. Das hohe Niveau und die Verbreitung dieser beiden Seiten sind ein wichtiges Gut in Deutschland, das zur Absicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit kaum zu überschätzen ist. Der AMA Fachverband für Sensorik sieht hier einen Schwerpunkt. Deshalb arbeitet der Fachverband und sein Wissenschaftsrat momentan daran, seine Schnittstellenfunktion noch intensiver zu beleben. Ausdrückliches Ziel ist, die Vernetzung und den Austausch zwischen beiden Seiten zu verstärken.
Sind die deutschen Hersteller international wettbewerbsfähig?
Man kann fast sagen, Deutschland sei Sensorik-Land. Die hiesige Branche ist ausgesprochen erfolgreich. Ihre Entwicklungen sind oftmals weltweit wegbereitend. Global sind ihre Marktanteile unerreicht. Deutschland deckt etwa 30 Prozent des gesamten Weltbedarfs an Sensorik. Etwa 800 überwiegend kleine und mittlere Unternehmen stellen in Deutschland erfolgreich Messsysteme her, und mehr als 2 000 Firmen sind mit Sensorthemen befasst. Diese Anbieter sind sehr stark innovationsgetrieben und investieren erheblich in ihre Forschung und Entwicklung.

