Sackhüpfen bei der Gesundheitskarte

Gegner und Befürworter der elektronischen Gesundheitskarte liefern ständig neuen Zündstoff für den schier unlösbaren Dauerstreit zwischen Ärzteschaft, Gesetzgeber und Krankenkassen. Zuletzt war es die Landesärztekammer Baden-Württemberg, die im Clinch mit der Betreibergesellschaft Gematik weitere Kartentests absagte. Während das Bundesgesundheitsministerium mit dem 1. Oktober 2009 das Ende der Testphase und den Start der Karteneinführung in der Region Nordrhein bekannt gibt, streut die Bundesärztekammer Gerüchte über eine drohende Kostenexplosion: Der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Franz-Joseph Bartmann, beziffert die  Infrastrukturkosten auf mehrere Milliarden Euro. Die Gematik hingegen schätzt die einmaligen Kosten auf höchstens 1,6 Mrd Euro. Zu Buche schlagen vor allem die Lesegeräte und die benötigte Vernetzungstechnik für den Datenabgleich zwischen Kliniken, Arztpraxen und den Krankenkassen. Das Gematik-Konzept sieht den Online-Abgleich der persönlichen Kartendaten mit dem Versichertenstammdatendienst auf den Rechnerservern der Krankenkassen vor. Deutliche Kosteneinsparungen erwartet die Gematik allerdings erst nach dem weiteren Ausbau der Kartenfunktionen mit Diensten wie der

Präzise arbeitende Druckmaschinen sind notwendig, damit das richtige Bild auf die Karte kommt. Bild: Techniker Krankenkasse

Präzise arbeitende Druckmaschinen sind notwendig, damit das richtige Bild auf die Karte kommt. Bild: Techniker Krankenkasse

Arzneimittelprüfung, dem Abspeichern und Abrufen von elektronischen Patientenakten, Arztbriefen oder von elektronischen Rezepten. Genau diese erweiterten Anwendungen stoßen auf das Missfallen der meisten Kartengegner. Nicht wenige Mediziner sehen darin eine Aushöhlung der  Patienten-Arzt-Beziehung mit wachsendem Vertrauensverlust in die Integrität der Ärzteschaft. Zweifel gibt es auch gegenüber den Sicherheitsmechanismen beim Weiterreichen von sensiblen Gesundheitsdaten über eine netzbasierte Telematikinfrastruktur.