Schweiz setzt auf High-tech

Swiss Made ist das zugkräftige Aushängeschild für den Medizintechnik-Markt der Eidgenossen. Viele Schweizer Unternehmen verfügen über die solidesten Bilanzen der Welt. Trotz Bremsspuren in der Auftragslage sehen die meisten Medtech-Companies genügend Handlungsspielräume für innovative Produkte.


Auf einer Skala der britischen Ideenschmiede New Economics Foundation gehört die Schweiz zu den glücklichsten Nationen unter den 22 europäischen Ländern, die an einer Befragung teilgenommen haben. Derselben Quelle ist zu entnehmen, dass die Deutschen lediglich einen Mittelplatz belegen. Die helvetische Grundstimmung fußt auf einem soliden Fundament. Die alpenländische Volkswirtschaft hat sich zu einem wettbewerbsstarken und konkurrenzfähigen Standort entwickelt mit einer festen Verankerung sowohl im Bankensektor als auch in der Industrie. Besonders die Medtech-Branche hat neben der Biotechnologie in den letzten Jahren einen boomartigen Aufstieg hingelegt. Marktbeobachter der schweizerischen Organisation für Außenwirtschaft, Osec, führen das auf drei Faktoren zurück: Einmal das ausgezeichnete Niveau der Ausbildung sowie der öffentlichen und privaten Forschung und die effizienten Programme für den Technologietransfer.

Präzision auf Weltniveau
Viele medizintechnischen Unternehmen sehen die entscheidenden Pluspunkte in der hohen Qualität der Universitäten und Hochschulen, die intensive Forschungstätigkeiten in allen Bereichen der Biotechnologie und der Medizintechnik ausüben. Die Industrie nutzt den Wissenstransfer, um ihr technologisches Produktportfolio auf Weltniveau zu bringen, egal ob als Zulieferer für mechanisch-technische Komponenten oder als Anbieter von Komplettlösungen. Das Angebot reicht vom einfachen Pflaster bis zum Rollstuhl, von der Kontaktlinse bis zum komplexen Dental-implantat. Mehr als 700 Unternehmen schätzt das Beratungshaus Ernst & Young sind in der Schweiz in Dentaltechnik, Biomaterialien, Diabetes- und Hörhilfen, chrirurgischen Instrumenten und Orthopädie tätig. 300 von ihnen fertigen eigene Produkte. Den Gesamtumsatz der Branche beziffert Ernst & Young auf fast zehn Milliarden Schweizer Franken.

Nicht selten tragen bahnbrechende Entwicklungen das Gütesiegel „Swiss Made”. So stellte kürzlich Tobias Nef, ein Wissenschaftler der ETH und Universität Zürich, einen Arm-Therapie-Roboter vor, der die Bewegungstherapie von Schlaganfallpatienten unterstützt. Sechs Elektromotoren bewegen Schulter, Ellbogen und Unterarm. Sensoren und speziell entwickelte Software machen es zudem möglich, Muskelaktivierung und Bewegungskoordination des Patienten zu aktivieren und zu messen.

Vom Uhrmacher zum High-tech-Hersteller
Auch wenn die Uhr das Sinnbild für Schweizer Qualität verkörpert, haben Produkte der Medtech-Industrie längst international eigene Akzente gesetzt. Beispielsweise im Bereich der Implantate und Hörgeräte, bei diagnostischen Messgeräten und Laborinstrumenten, aber auch bei Systemen minimalinvasiver Chirurgie. Hersteller wie Tornos, Straumann, Applitec oder Gloor zählen zu den bekannten Branchengrößen. Internationale Konzerne wie Baxter, Johnson & Johnson, Medtronic, Stryker oder Ypsomed agieren längst in einem der vier Medizin-Cluster zwischen Bern und Zürich. Die Marktauguren von Ernst & Young sind sich einig: Die Medizintechnik dürfte weiterhin von der kräftigen Nachfrage nach Gesundheitsleistungen profitieren.